Lunch Talk @ MIT Peter Thiel
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- [00:51:25] Speaker 1 (0.26) — Ehsan Dariani hat eine Frage, wenn ich das richtig sehe.
- [00:39:16] Speaker 1 (0.39) — Aber ein guter Film. Da vorne war eine Frage.
- [00:42:33] Speaker 1 (0.42) — Da vorne war eine Frage.
Speaker 2Speaker 1Peter ThielSpeaker 3Interviewer 5Interviewer 6Interviewer 1Interviewer 3Interviewer 2Interviewer 4
Speaker 200:00:04
Ich begrüße euch alle herzlich im Namen des Alexander-von-Humboldt-Instituts für Internet und Gesellschaft. Wir freuen uns sehr, dass Peter Thiel heute bei uns ist. Peter Thiel ist jemand, der das Internet nutzt und genutzt hat, um Innovationen voranzubringen und selbst durchzusetzen. Und diese Innovationen beeinflussen heutzutage unter anderem die Art und Weise, wie wir im Internet bezahlen, Stichwort PayPal, die Art und Weise, wie wir netzwerken, Stichwort Facebook. Er ist aber nicht nur Gründer, er ist auch Autor und Denker, und er reflektiert diese Prozesse, Internet, Innovation, und hilft uns, technologische Innovationen besser zu verstehen. Wir als Alexander-von-Humboldt-Institut für Internet und Gesellschaft, wir forschen seit drei Jahren an ähnlichen Fragestellungen.
Speaker 200:00:54
Wir wollen verstehen, wie sich das Internet auf die Gesellschaft auswirkt und wir wollen diese Prozesse aktiv begleiten und mitgestalten. Unsere anwendungsorientierte Forschung stellt zum Beispiel Fragen danach, wie das Internet wissenschaftliche Praktiken verändert, Praktiken in der Wirtschaft, etablierte Praktiken, Stichwort Open Science oder Online-Partizipationen. Wir interessieren uns aber auch für Start-ups und Gründer, Ideengeber und wie durch sie und mit ihnen radikale Innovationen durchgesetzt werden, Stichwort Entrepreneurship. Wir interessieren uns für Aspekte der Regulierung, Datenschutz, Urheberrecht. Aber auch zum Beispiel für die Frage: Was heißt eigentlich Öffentlichkeit im Zeitalter sozialer Netzwerkmedien?
Speaker 200:01:38
Und wir verstehen uns als Plattform. Wir teilen diese Fragen und natürlich auch Antworten mit unserem großen Netzwerk, mit unseren Partnern. Und die kommen aus der Praxis, die kommen aus der Wissenschaft. Und ein wissenschaftlicher, wichtiger Partner von uns und auch Mitglied in unserem Beirat für das Team Innovation und Entrepreneurship ist heute hier. Das ist der Alexander Nicolai, der steht hier links neben mir. Und der wird heute die Veranstaltung hier moderieren, wird uns die nächste Stunde begleiten. Alexander hat einen Lehrstuhl für Entrepreneurship an der Universität Oldenburg und er interessiert sich für Internet-Start-ups. Und er hat mir eine Frage mitgegeben, mit der ich ihn einführen möchte.
Speaker 200:02:18
Er hat gefragt: „Na ja, warum interessiert sich in der Praxis, interessieren sich so wenige Leute für die Wissenschaft, für die Management-Wissenschaft?“ Ich glaube, der Praktiker würde die Frage andersrum stellen, aber ich weiß es nicht. Ich würde jetzt einfach an dich übergeben, Alex, und freue mich auf die nächste Stunde.
Speaker 100:02:35
Ja, herzlichen Dank, Nancy. Ja, herzlich willkommen auch von mir. Ich freue mich über die tolle Resonanz, die wir gefunden haben. Ist ja doch recht kurzfristig angekündigt worden. Und der eigentliche Plan war, dass wir das mit 70 Leuten und mit einem Lunch so ein bisschen verbinden. Es sind ruckzuck 700 Anmeldungen geworden. Wir konnten bei Weitem nicht jeden hier aufnehmen. Ich glaube, das Interesse ist aber auch nicht ganz zu Unrecht da. Ja, ich glaube, Peter Thiel – herzlich willkommen! – ist eine der vielschichtigsten Unternehmerpersönlichkeiten der letzten Jahrzehnte. In Deutschland geboren, aber in den USA aufgewachsen, in Stanford Philosophie und Jura studiert, auch nicht immer die klassische Gründerkombination.
Speaker 100:03:23
New-Economy-Boom voll mitgenommen, PayPal-Börsengang geschafft, das Bezahlen im Internet revolutioniert, vielleicht nicht ganz so bekannt, auch Palantir mitgegründet, auch eine 9-Milliarden-Bewertung mittlerweile – oder ich weiß nicht, was der ganz aktuelle Stand ist –, verschiedene Fonds gegründet, sehr, sehr früh bei Facebook mit dabei gewesen und noch vieles mehr. Und das Schöne ist, dass Peter Thiel nicht nur offenbar ein ganz besonderes Wissen über Start-ups und Innovation hat, sondern dass er dieses Wissen auch teilt. Ganz besonders viel Aufmerksamkeit hat ein Seminar an Stanford bekommen, da gab es eine Mitschrift, und die hat sich im Internet rasch verbreitet. Daraus ist ein Buch entstanden, und vielleicht sagst du auch gleich noch ein bisschen was zu diesem Buch.
Speaker 100:04:24
Das Besondere ist, dass hier nicht nur sozusagen Anekdoten, War Stories, Berichte von der Front – so habe ich es gemacht – erzählt werden, sondern dass da auch immer das Streben nach Generalisierung – was kann man denn wirklich über den Einzelfall hinaus daraus lernen? – zu erkennen ist, und das macht es, finde ich, für alle, die wir hier sind, besonders spannend. Und ich bin sehr dankbar, dass wir an deinen Gedanken teilhaben können. Wir werden auch gleich noch ein paar Fragen dann hoffentlich im Anschluss stellen. Ich freue mich auf den Vortrag. Herzlich willkommen, Peter Thiel!
Peter Thiel00:05:07
Ich werde mal heute versuchen, auf Deutsch zu sprechen. Wir sind aus den Staaten ausgewandert, als ich ein Jahr alt war. Wir haben zu Hause die ersten zwölf Jahre Deutsch gesprochen. Wir hatten kein Fernsehapparat, aber dann ist das Fernsehapparat angekommen. So ist mein Deutsch auf ungefähr einem zwölfjährigen Niveau stehen geblieben. Ich entschuldige mich im Voraus für die schlechte Aussprache und den geringen Wortschatz, aber ich denke, wenn man schon mal in Deutschland ist, sollte man doch versuchen, auf Deutsch zu sprechen. Nun, wenn man von der Entrepreneurship spricht oder der Start-up-Szene, wenn man darüber lehrt oder ein Buch schreibt, versucht man immer so... Themen zu geben oder Prozesse zu beschreiben, so wenn man diese fünf Sachen macht, dann wird man Erfolg haben oder dies so ein Siebenpunktplan, um ein erfolgreiches Startup zu bauen.
Peter Thiel00:05:56
Aber ich finde, das ist irgendwie was ganz Problematisches daran, denn es ist ja nicht ein wissenschaftliches Thema. Denn Wissenschaft fängt mit der Nummer zwei an. Es fängt an mit Experimenten, die man wiederholen kann, oder Prozessen, die man kopieren kann und dann wiederholen kann. Es gibt keine Naturgesetze in der Start-up- oder in der Entrepreneurschaft. Ganz dagegen passiert jeden Moment in der Geschichte der Erfindung, der Technologie, der Wirtschaft nur einmal. Der nächste Mark Zuckerberg wird kein soziales Netzwerk gründen. Der nächste Larry Page wird keine Search Engine bauen. Der nächste Bill Gates wird kein Operating System bauen. Und wenn man versucht, diese Leute irgendwie zu imitieren, dann lernt man ja von ihnen eigentlich überhaupt nichts.
Peter Thiel00:06:51
Und so dann ist die Frage, was kann man da überhaupt sagen, wenn alles so einzigartig und außennahmig ist in der Startup-Entrepreneurship-Szene. Und so ich versuche daher auf diesem Thema so ein bisschen indirekter dran zu kommen mit diesen Contrarian-Fragen, die ich da so gerne stelle. Die Wirtschaftsfrage ist, welche gute Wirtschaft hat an jemanden gedacht, hat noch niemand gebaut? Oder die mehr intellektuelle Version davon ist, sagen Sie mir irgendwas, was stimmt, mit dem fast niemand mit sich übereinstimmt. Was ist eine Wahrheit, an die Sie glauben, die an denen fast niemand glaubt. Und das sind, glaube ich, so die interessanten Ideen, die noch nicht verstanden sind. Und das muss man immer fragen.
Peter Thiel00:07:48
Und das sind sehr schwierige Fragen zu beantworten. Wenn man die Frage stellt: „Sagen Sie mir irgendwas, an das Sie glauben, mit dem niemand in der Welt mit Ihnen übereinstimmt.“ Es ist als eine Interviewfrage, wenn man die gibt. Es ist sehr schwer für Leute, die zu beantworten, sogar wenn sie im Internet lesen, dass ich diese Frage an alle stelle, die reinkommen. Und die Frage ist schwer zu beantworten, denn erstens sind wir so der Meinung, dass die Wahrheit immer Sachen sind, mit denen all die Leute übereinstimmen. Und dann zweitens aber, es ist auch immer sehr unangenehm. Da muss man ja irgendwas sagen, mit dem die Leute wahrscheinlich nicht übereinstimmen würden. Und wenn man so irgendwas sagt, mit dem jeder übereinstimmt, ist es die falsche Antwort.
Peter Thiel00:08:31
Und ich möchte heute vielleicht so einige Antworten für diese Fragen geben, die ich über die Jahre entwickelt habe. Sachen, an die ich glaube, mit denen die meisten Leute nicht mit mir übereinstimmen, aber die, wie ich glaube, irgendwie doch schon wichtig für die Start-up-Szene und für den Erfolg als Gründer und Entrepreneur sind. Fangen wir mal an mit diesen Themen der Einzigartigkeit. Ich bin der Meinung, dass eine der wichtigsten Ideen in der Wirtschaft, im Firmenbau, von denen man meistens nicht sehr viel spricht, ist, dass der Wettbewerb, Konkurrenz und der Kapitalismus widersprüchliche Ideen sind. Das sind nicht Synonyme, das sind Antonyme. Ein Kapitalist ist jemand, der das Kapital aufbaut. Eine Welt der Konkurrenz ist eine Welt, in der die Profite auf null gehen und niemand irgendwas schafft.
Peter Thiel00:09:35
Und ich glaube, zur ersten Approximation gibt es zwei Arten von Wirtschaften. Es gibt Wirtschaften, wo man wie verrückt konkurriert und man wird nie Geld machen. Und auf der anderen Seite gibt es Wirtschaften, in denen es überhaupt keine Konkurrenz gibt, wo man etwas wirklich Einzigartiges macht. Das sind Monopole, davon darf man nicht sprechen, aber das sind halt die Wirtschaften, die am Ende des Tages die Firmen, die wirklich wertvoll sein werden. Wenn man wie verrückt konkurrieren möchte, sollte man einfach ein Restaurant öffnen. Das machen sehr viele Leute, ist immer eine schlechte Idee, aber wenn man wie verrückt konkurrieren möchte, sollte man einfach ein Restaurant aufmachen. Und dann das Beispiel für ein wirklich erfolgreiches Monopol, das ich gebe in Silicon Valley, ist immer Google, die Google-Firma.
Peter Thiel00:10:29
Wir können davon sprechen, wann ist das gut, wann ist das schlecht, aber von innen gesehen, als Gründer, als Investor, als Mitarbeiter in solch einer Firma, will man immer in einem Monopol arbeiten, nie in einem Restaurant. Und diese Idee wird, ich glaube, nicht sehr gut verstanden, denn die Leute, die Monopole haben, sprechen meistens nicht davon. Und die Leute, die wie verrückt konkurrieren, untertreiben die Verrücktheit der Konkurrenz auch ein bisschen. Es wird alles so ein bisschen... umgedreht und so. Wenn man von der Google-Firma her gesehen wird, spricht man fast nie mehr von der Suchmaschine, von der Search Engine. Man spricht stattdessen: Es ist in einem viel größeren Rahmen, findet sich die Firma, als eine Technologiefirma.
Peter Thiel00:11:25
Und es ist in diesem riesengroßen Feld, das die Technologie ist. Und da gibt es halt Konkurrenz überall. Es gibt Konkurrenz mit Apple, mit dem Android-System. Es gibt Konkurrenz mit Facebook oder Amazon oder mit den Autofirmen in Detroit und überall mit den Self-Driving-Cars. Und von der Suchmaschine hat man schon seit fünf, sechs Jahren fast nie mehr gesprochen. Es ist im Technologiebereich, es gibt überall Konkurrenz und nein, Google ist nicht das Monopol, das die Regierung sucht. Und dann auf der anderen Seite, wenn Sie hier diesen Anspruch heute haben, wenn Sie rausgehen und sagen: „Ja, jetzt werde ich aber ganz bestimmt ein Restaurant öffnen.“ Und dann werden Sie ganz schnell ein Problem haben, denn die Investoren werden Ihnen sagen: „Ja, ich möchte kein Geld in ein Restaurant stecken, das verliert man alles ganz schnell.“
Peter Thiel00:12:18
All die Restaurants gehen ja, die meisten gehen ja pleite, und die anderen machen sowieso kein Geld. Es ist immer eine schlechte Idee, in ein Restaurant zu investieren. Und dann würden Sie sagen: „Ja, aber es ist ein ganz ungewöhnliches Restaurant. Es wird das einzige britische, nepalische Fusionsrestaurant hier in, in diesem Vorort von Berlin sein.“ Und so, wenn man einen Monopol hat, dann beschreibt man den Markt als viel größer, als er wirklich ist. Wenn man wie verrückt konkurriert, beschreibt man den Markt als viel kleiner, als er wirklich ist. Und da beide Seiten den Markt immer ... etwas falsch beschreiben, wird diese Idee von der Wichtigkeit dieses Unterschieds zwischen einem Monopol und verrückter Konkurrenz immer so ein bisschen sehr unterschätzt, finde ich.
Peter Thiel00:13:10
Das ist immer, glaube ich, das sehr wichtige Thema. Aber ich glaube, es gibt auch – es ist nicht nur so ein intellektueller Fehler, den wir machen, dass wir dies nicht verstehen –, es ist auch, glaube ich, irgendwie so ein bisschen von einem psychologischen Fehler. Und der erste Satz in Tolstois „Anna Karenina“ lautet: „Alle glücklichen Familien sind einander ähnlich. Die Unglücklichen sind immer auf ihre ganz bestimmte Weise unglücklich.“ Und ich meine, es ist natürlich ... das Umgekehrte ist der Fall mit Firmen. Alle glücklichen Firmen sind anders. Die machen irgendwas, das einzigartig ist und sie ganz differenziert. Alle unglücklichen Firmen sind einander gleich, denn sie haben es nicht gelungen, sich von den anderen zu unterscheiden und sich von der verrückten Konkurrenz zu entziehen.
Peter Thiel00:14:06
Als ich dieses Kapitel in meinem Buch – der Kapiteltitel war „Alle glücklichen Firmen sind anders“ – im Wall Street Journal ... haben sie es aufgeschrieben, da können sie immer den Titel so ein bisschen ändern, haben es geändert von „Alle glücklichen Firmen sind anders“, „sind verschieden“, wurde verändert zu: „Die Konkurrenz ist für Verlierer“. Das ist natürlich so ein bisschen starker Ausdruck und ist immer sehr stark. Wir denken immer, dass die Verlierer die sind, die nicht gut genug konkurrieren können. Die Verlierer sind die, die im Gymnasium ein bisschen langsam auf der Schwimmmannschaft waren. Die Verlierer sind die, wo die Noten nicht ganz gut genug waren auf der Uni. Die Verlierer sind die, die irgendwie auf der Konkurrenz nicht ganz so gut sind, wie sie meinen.
Peter Thiel00:14:57
Und natürlich, die Konkurrenz hat es an sich, dass man besser wird, indem man konkurriert. Aber es beschränkt auch irgendwie so ... das Bild, dass man dann viele andere Sachen vergisst. Die persönliche Erfahrung, die ich da hatte, war: Ich war auf einem sehr getrackten Lauf, als ich in Kalifornien aufwuchs. Schon im achten Schuljahr, Junior High School in Kalifornien, hat im Schuljahrbuch einer meiner Freunde reingeschrieben: „Ich weiß schon, dass du in vier Jahren nach Stanford gehen wirst.“ Vier Jahre später bin ich nach Stanford reingekommen. Ich bin nach Stanford gegangen, bin zur Stanford-Jura-Schule gegangen. Dann arbeitete ich in einer Elite-Jura-Kanzlei in Manhattan. Und es war so eine Konkurrenz nach der anderen.
Peter Thiel00:15:45
Man gewann die Konkurrenz, da konnte man weitergehen und weiter konkurrieren. Und es war so eine Firma, von außen alle rein wollten, von innen wollten alle raus. Als ich nach sieben Monaten und drei Tagen genug davon hatte, sagte mir einer der Mitarbeiter: „Es ist ja ganz ungewöhnlich, dass Sie hier weggehen. Ich hatte keine Ahnung, dass man vom Alcatraz-Gefängnis entfliehen konnte.“ Und natürlich war es nicht ganz so schwierig, wie vom Alcatraz-Gefängnis rauszukommen. Man musste nur durch die vordere Tür gehen. Aber das konnten die Leute allerdings nicht, denn ihre Identität war so ausgeprägt von den Wegen, in denen sie konkurriert hatten und von den Konkurrenzen, die sie gewonnen hatten, dass sie eigentlich überhaupt nicht davon weggehen konnten.
Peter Thiel00:16:45
Und so, ich glaube, ich glaube, auch wenn man dies versteht, dass man irgendwas Einzigartiges machen muss, man soll was machen, was die anderen nicht machen, ist immer sehr leicht zu sagen, ist immer irgendwie sehr, sehr schwierig zu tun. Ich meine, sogar schon in der Zeit von Shakespeare hat das Wort 'Affe' zwei Sachen bedeutet: Primat und Imitieren. Und es ist halt irgendwas an der Imitation, die wir als Menschen sehr, sehr viel machen. So lernen wir die Sprache, wenn wir als Kinder aufwachsen. So wird die Kultur von Generation zu Generation weitergegeben. Aber es gibt auch sehr viele verrückte Sachen, die mit der Imitation zusammenkommen. Verrückte Blasen, verrückte Moden. Und irgendwie muss man schon ein bisschen
Peter Thiel00:17:39
davon ausbrechen. Im Silicon Valley gibt es dieses sehr merkwürdige Phänomen, dass sehr viele der erfolgreichsten Unternehmer so ein bisschen an Asperger zu leiden scheinen. Und ich glaube, man muss diese Tatsache immer so umdrehen und man sollte die Frage stattdessen stellen: Was ist es an unserer Gesellschaft, dass die Leute, die nicht an Asperger leiden, dass sie ihre besten Ideen – werden sie so, werden von ihnen weggenommen, bevor sie die Idee völlig selbst haben? Wenn man irgendeine neue Idee hat, irgendwas Neues tun möchte, dann merkt man schon ganz sofort, dass die anderen Leute sich ein bisschen komisch angucken. Es ist ein bisschen zu merkwürdig. Nein, das machen wir am besten nicht.
Peter Thiel00:18:35
Das ist viel zu komisch. Was denken die Leute da? Am besten öffnen wir doch nur das Restaurant wieder mal. Und ich glaube, das ist immer so diese Frage, auf die man da zurückkommen muss. Nun, ich glaube, es gibt sehr viele andere Sachen, die wir besprechen können. Und ich werde vielleicht noch mit einem anderen Gedanken hier enden – ein bisschen größerer Gedanke. Ich bin immer der Meinung, dass wenn wir ein erfolgreiches 21. Jahrhundert haben werden, wird es vielleicht zwei sehr wichtige Themen dafür geben. Eines ist das Thema der Globalisierung. Und das andere Thema ist das Thema des weiteren wissenschaftlichen und technologischen Fortschritts. Und ich bin der Meinung, dass immer die Globalisierung und die Technologie – diese Worte werden oft miteinander irgendwie verbunden.
Peter Thiel00:19:31
Aber ich bin der Meinung, dass es eigentlich zwei ganz verschiedene Sachen sind. Und die Globalisierung hat damit zu tun, dass man Sachen kopiert, die funktionieren. Es geht darum, Modelle zu kopieren, die funktionieren. Es ist horizontal, es geht von 1 zu 100. China ist das Modell der Globalisierung. Vielleicht kann man einige Schritte überschreiten, aber es hat alles mit dem Kopieren zu tun. Das ist sehr programmatisch und das geht schon sehr voran. Die Technologie dagegen zeichnet hier mal auf der Y-Achse gegen die X-Achse. Und die Technologie hat damit zu tun, neue Sachen zu tun, intensives, nicht extensives Wachstum. Und hat so ein ganz anderes Modell. Und wenn man so denkt, von den letzten 200 Jahren gab es Zeitalter der Globalisierung und Zeitalter der Technologie, aber die sind nicht immer dasselbe.
Peter Thiel00:20:36
Im 19. Jahrhundert hatte man, glaube ich, schon beides. So 1815 bis 1914 gab es schnellen technologischen Fortschritt und auch sehr viel Globalisierung. 1914, mit dem Beginn des Ersten Weltkrieges, ging die Globalisierung zurück. Es gab weniger Handel, weniger Verbindungen zwischen verschiedenen Teilen der Welt. Und ich glaube, die Technologie ging weiter sehr schnell voran. Und so von ungefähr 1914 bis, ich würde sagen, 1971 hatten wir ein Zeitalter, in dem es sehr viel Technologie gab, aber nicht sehr viel Globalisierung. 1971, Kissingers Reise nach China, fing die Globalisierung mal wieder ganz schnell an. Und in den letzten 40 oder so Jahren hat es fürchterlich viel Globalisierung gegeben, aber meiner Meinung nach etwas weniger auf der technologischen Ebene.
Peter Thiel00:21:35
Und das Wort „Technologie“ in den 50er- oder 60er-Jahren bedeutete alle möglichen verschiedenen Sachen. Heute hat es sich hauptsächlich auf Informationstechnologie beschränkt. Die Tatsache, dass das Wort „Technologie“ so viel weniger heute bedeutet als vor 40 oder 50 Jahren, ist eines der Hints, dass wir in einer Welt von verhältnismäßig langsamem technologischem Fortschritt leben und es auch immer so die Welt beschreibt. Kann man sagen, in den 50er- oder 60er-Jahren hätte man von der Ersten und der Dritten Welt gesprochen. Die Erste Welt war der Teil der Welt, in dem sich alles schnell entwickelte und weiterentwickelte. Die Dritte Welt war so kaputt und würde immer kaputt bleiben. Es war ein Bild der Technologie, aber ohne Globalisierung.
Peter Thiel00:22:26
Heute würde man dagegen von der entwickelten Welt und den Entwicklungsländern sprechen, und die entwickelte Welt, in der wir leben, und dagegen die Entwicklungsländer nachahmen die entwickelte Welt. Und es ist so eine Konvergenz der Globalisierung. Die ganze Welt wird sich einander mehr und mehr imitieren. Und so dieses Zweispiel von Developed, Developing World ist ein sehr Pro-Globalisierungs-Bild. Aber es ist auch ein anti-technologisches Bild. Denn wenn wir sagen, dass wir uns in der entwickelten Welt befinden, dann sagen wir unter anderem, dass wir in dem Teil der Welt sind, wo nichts Neues passieren wird, denn es ist entwickelt, es ist fertig, es wird nichts Neues geben. Die jüngere Generation muss ...
Peter Thiel00:23:19
weniger von der Zukunft erwarten als ihre Eltern oder Großeltern. Und ich glaube, wir sollten dieses sehr pessimistische Bild stark infrage stellen. Und stattdessen sollten wir immer zurück auf die Frage, die nicht genug gestellt wird, gehen: Wie könnten wir heute die sogenannte entwickelte Welt weiterentwickeln? Vielen Dank.
Speaker 100:23:54
Ja, herzlichen Dank für den schönen Vortrag. Und eine Frage, die ich mir gleich gestellt habe, ist eigentlich eher für deinen Werdegang untypisch genug. Du hast das Studium abgeschlossen und du warst erst in der Kanzlei und auch im juristischen Bereich, auch noch mal ein bisschen untypisch. Du hattest zu dem Zeitpunkt ja eigentlich schon sehr viel in deine Karriere, auch in die klassische Karriere, investiert. Und auf einmal lässt du das alles hinter dir und hast eigentlich einen unternehmerischen Pfad eingeschlagen. Hast du das schon vorher gespürt, dass du unternehmerisch tätig sein willst, oder wie kam es zu dieser ja doch ganz plötzlichen Richtungswahl?
Peter Thiel00:24:41
Es war so eine Kombination von positiven – es war so eine Kombination von positiven und negativen Gründen. Und ich glaube, es war so zum Teil diese Idee, dass die verschiedenen professionellen Tracks, Möglichkeiten nicht mehr so gut waren wie in der Vergangenheit. Das spürte man, ich glaube, das spürte ich schon in den 90er-Jahren. Ich glaube, es wird viel stärker gespürt seit, sagen wir mal, 2008, seit der Krise von 2008. Aber schon in den 90er-Jahren spürte ich, dass es irgendwie viel schwieriger sein würde, in dieser gut etablierten Welt mitzumachen. Und dann, und dann war es auch gerade so der Anfang des Internet-Booms. Ich war in Stanford, ich hatte einige Freunde, die da mitmachten und so.
Peter Thiel00:25:34
Es war schon irgendwie die Tatsache, dass ich zur Stanford-Uni ging, war wahrscheinlich schon ein bisschen Glück irgendwie. Denn es war so in der Luft in Kalifornien, aber nicht so viel anderswo.
Speaker 100:25:48
Du hast von verschiedenen Arten von Geschäftsmodellen gesprochen, und das eine ist wirklich die echte Innovation, die dann auch irgendwann mal zu monopolartigen Marktstrukturen führen soll. Und dann gibt es ja noch, wenn man so will, die eher imitativen Bereiche, die aber vielleicht auch global, die vielleicht regional neu sind, aber global nicht neu sind, aber eigentlich Imitation sind. Hier, nicht ganz weit, so 30 Meter, ist Rocket Internet. Ein Unternehmen, ich weiß nicht, ob ihr schon mal davon gehört habt. Ja, zwei, drei schon mal davon gehört. Ja, erst mal eine Frage: Das steht ja durchaus im Widerspruch zu der Art von Geschäftsmodellen, auf die du schaust. Und zweitens, würdest du, der Börsengang ist jetzt ein paar Wochen alt, würdest du Aktien von Rocket Internet kaufen?
Peter Thiel00:26:40
Man muss sehr vorsichtig sein, wenn man... Ich glaube... Also es ist nicht mein Modell, und es ist nicht die Art von Firmen, in die ich persönlich investieren möchte oder die ich gründen möchte und so weiter. Es kann schon funktionieren, aber ich glaube, dass eines der... Und ich glaube, Rocket Internet hat alles sehr gut executed, es wurde alles sehr gut gemacht, aber es ist irgendwie nicht sehr originell. Das ist natürlich immer die Kritik. All die Prozesse sind sehr gut, aber die Ideen sind nicht sehr originell. Und ich glaube, die Frage an der Wertschätzung von irgendwas wie Rocket Internet ist, ob die Investoren in solch eine Firma investieren. Ich finde es irgendwie sehr leicht zu verstehen.
Peter Thiel00:27:43
Und ich glaube, das ist einer der Gründe, warum es so hoch bewertet wird. Und dagegen, wenn man irgendwas baut, das einzigartig ist, ist es oft eigentlich sehr schwer, Investoren oder anderen Leuten zu erklären, was man da macht. Und ich glaube, die einzigartigen Firmen werden oft unterschätzt. Die Firmen, die irgendwie in einem sehr bekannten Muster stehen, nachgeahmt werden, ich glaube, oft viel höher bewertet. Und das ist, glaube ich, so ein Thema davon. Man fragt mich oft die Frage: Was, glaube ich, so sind die Zukunftsthemen? Was sind so Gebiete, in denen man was machen sollte? Und ich mag die Frage immer nicht sehr, denn man muss eben so ganz banale Sachen sagen wie, es wird mehr Mobiltelefone in den nächsten fünf Jahren geben oder irgendwie so etwas ganz Banales.
Peter Thiel00:28:38
Aber die eine Antwort, die ich immer dafür gebe, ist: Ich bin der Meinung, dass alles, alle Themen über die Zukunft, alle Themen, von denen man spricht, werden übertrieben. Desto mehr man davon spricht, desto mehr übertrieben werden sie. So Healthcare IT, Education Software, ziemlich übertrieben zurzeit. SaaS, Enterprise Software, ganz übertrieben. Wenn man die Worte Cloud Computing oder Big Data hört, sollte man so schnell wie möglich weglaufen, denn da ist ja fast immer irgendwas daran, das einfach Betrug ist. Und der Grund dafür ist, dass wenn man so diese Stichworte hört, wie SaaS, Cloud Computing, Big Data, Mobile Internet und so weiter, es ist wie im Poker, es ist so ein Tell, dass man wirklich überhaupt nichts hat.
Peter Thiel00:29:37
Und die Stichwörter sind so der Beweis, dass es nichts Originelles gibt, dass die Firma nicht differenziert ist. Und desto mehr Stichwörter man hört, desto schlechter ist wahrscheinlich die Firma, die man da aufbaut. Und so, ich finde, Rocket Internet ist irgendwie... ist sehr gut mit den Stichwörtern.
Speaker 100:30:08
Ich glaube, zwischen den Zeilen konnte man deine Investmententscheidung vielleicht raushören, wenn man aufgepasst hat. Wenn man alle Geschäftsideen der Welt mal zusammennehmen würde, die da so pro Jahr produziert werden oder aufgegriffen werden, dann sind es ja wahrscheinlich 100 Millionen. Wenn man jetzt traditionell die Landwirtschaft und sonst was und Selbstständige... dann gibt es noch die halb imitativen Sachen und so weiter. Und dann gibt es dann eben die Sachen, von denen du sprichst, Sachen, die das Potenzial haben, global ein Monopol zu machen. Das ist aber eins, eine Idee von – wir kommen auf viele hundert Millionen vielleicht auf Dauer zu – jedenfalls ein ganz winziger Prozentsatz aller Geschäftsideen, die dieses Potenzial haben und auch nicht scheitern dabei.
Speaker 100:30:53
Wie hast du es geschafft, ganz oft in der Gegend zu sein, wenn so eine Idee – die ja nun wirklich statistisch wider alle Wahrscheinlichkeit, denn das ist etwas, was sehr, sehr selten ist... Wie machst du das?
Peter Thiel00:31:05
Wie kommt das? Ich weiß nicht, wie selten diese Ideen sind. Ich glaube immer, dass es ein großer Fehler ist, von der Zukunft mit statistischen Methoden oder von Probabilities zu sprechen. Denn wenn man denkt, dass das Investieren in Start-ups oder das Gründen von Start-ups so wie das Lottospiel ist, wo man einfach so ganz viele Lottotickets kauft und dann wird man irgendwann mal gewinnen... Wenn man so eine kleine Wahrscheinlichkeit mit einer großen Zahl multipliziert, gibt es immer eine kleine Zahl. Und wenn man denkt, dass man das Lotto spielt, dann hat man sich schon entschlossen, einfach zu verlieren. Ich bin der Meinung, dass man immer sagt: „Es ist alles einfach Glückssache, es ist nichts anderes als Glück.“
Peter Thiel00:32:04
Das kann zwei verschiedene Sachen bedeuten. Zum Teil ist es vielleicht eine metaphysische Behauptung über den Kosmos, dass es einfach alles Glückssache ist. Oder auf der anderen Seite, wenn man sagt, es ist alles Glück, ist es vielleicht einfach eine Behauptung der eigenen Faulheit, dass man einfach nicht sehr viel darüber nachdenken möchte. Und wenn man so einfach nur Lottoscheine schreibt – was man dann tut, ist, dass man nicht sehr viel darüber nachdenkt. Ich bin schon der Meinung, dass man – ich kann es nicht ganz bestimmt sehen, aber man kann schon viel mehr darüber nachdenken: Wird dies funktionieren? Sieht es aus, als ob es etwas ganz anderes, was Neues ist, das funktionieren wird oder nicht?
Peter Thiel00:32:52
Und wenn man dann sofort sagt: „Ja, das kann man nie wissen, das ist alles nur Glückssache, das ist alles nur so eine statistische Probabilitätstheorie“, dann denkt man überhaupt nicht darüber nach. Ich bin immer der Meinung, man soll sehr viel versuchen, darüber nachzudenken, und wenn man das tut, kann man schon, glaube ich, einige Sachen rausbekommen. Und ich weiß nicht, ob es nur eine ganz kleine Zahl von solchen Firmen gibt. Ich meine, ich bin – ich bin doch der Meinung, dass es mehr Innovationen geben könnte, dass es mehr neue Ideen geben könnte. Und es ist vielleicht ein gesellschaftliches Problem, dass es das nicht gibt, aber es ist keine Notwendigkeit, es ist kein Gesetz der Natur, dass es nicht mehr Innovation geben könnte.
Speaker 100:33:34
Wenn du eine neue Geschäftsidee siehst und vielleicht auch mit anderen erfolgreichen Unternehmern sprichst, wie oft seid ihr einer Meinung, dass das erfolgreich werden kann oder nicht? Wenn das passiert – ich weiß es nicht. Oder hat man acht verschiedene Meinungen typischerweise?
Peter Thiel00:33:54
Also, wenn verschiedene Leute alle darüber nachdenken und miteinander übereinstimmen, ist es meistens schon ein gutes Zeichen. Aber in der Praxis, wenn sehr viele Leute sagen, das ist alles eine gute Idee, ist es oft das Gegenteil. Denn es ist oft bezeichnend, dass die Leute einfach überhaupt nicht darüber nachgedacht haben. Und so, das ist immer die Frage. Wenn man zehn Leute... zehn verschiedene Leute sagen, das ist eine wirklich gute Idee, ich habe da wirklich nachgedacht. Und wenn das stimmt, dann ist das wahrscheinlich schon eine gute Idee. Wenn sie aber einfach alle einander nachahmen, vielleicht doch nicht. Wir sind immer der Meinung, dass, wenn man zum Beispiel finanziell in diesen Firmen so eine
Peter Thiel00:34:40
Angel-Runde hat, wo zehn verschiedene Investoren ein bisschen Geld reingesteckt haben, ist es meistens ein ziemlich schlechtes Zeichen. Denn meistens bedeutet es, dass sie alle denken, dass die anderen darüber nachgedacht haben. Sie müssen nicht denken, dann hat niemand gedacht. Und so ist es immer besser, wenn wir die Einzigen sind, dann müssen wir wirklich scharf darüber nachdenken.
Speaker 100:35:03
Okay, vielen Dank. Ich würde jetzt gerne die Fragerunde auf das Publikum erweitern. Da recken sich auch schon ein paar Hände nach oben. Zwei Bitten vorweg, die eine haben Sie sozusagen schon vorab vorgemacht, nämlich aufstehen, sonst kann man Sie von der Bühne schwer sehen. Zweite Bitte, möglichst eine Ein-Satz-Frage, kein Co-Referat, knackig, ein Satz. Weil wir haben nicht viel Zeit, wir müssen pünktlich schließen und da möchten wir möglichst viele Fragen bekommen haben. Und das erste Mikrofon können wir schon mal da rüber geben an den First Mover dort. Und idealerweise auch eine Frage, die jetzt nicht vom Einzelfall der Gründung, die jetzt jemand spezifisch hat, sondern ein bisschen auch für das gesamte Publikum von Interesse ist.
Speaker 300:35:47
Bitte schön. Samson Rogers, Sciencebyte.com. Herr Thiel, Sie haben den Mangel an wissenschaftlichen Fortschritten beklagt und Sie kennen bestimmt, wie Wissenschaftler miteinander konkurrieren. Sie möchten so viele wie möglich Artikel und Zitierungen sammeln. Und jetzt machen sie das im Internet, auf populären Webseiten wie zum Beispiel ResearchGate, wo man sogar Punkte bekommt dafür, wie viele Artikel und Zitierungen man hat. Denken Sie, es ist möglich, dass jemand eine Internetplattform bauen könnte, die einzigartiges Wissen von Wissenschaftlern fördern kann oder Wissenschaftler ihre Karriere fördern können durch etwas Nützliches und Einzigartiges? Kurz war das nicht gerade, aber bitte.
Peter Thiel00:36:56
Wir sind in ResearchGate investiert. Ich bin immer vorsichtig, nicht zu viel von den Firmen, in die wir investiert sind, zu sprechen. Aber es gibt, glaube ich, schon sehr viele verschiedene Probleme in der Wissenschaft. Es gibt sehr viele verschiedene Fragen, warum es Probleme damit gibt oder wie es schneller oder besser gehen könnte. Und ich glaube, oft, wenn es Probleme gibt, ein Teil der Probleme ist, dass die Erfinder nicht anerkannt werden und nicht Kredit bekommen, das ist ein Problem, das ResearchGate versucht zu lösen. Aber die Probleme sind oft... Überhaupt gibt es mehrere Probleme. Eines der Probleme, die ich finde, ist, ich glaube, es gibt ein sehr großes kulturelles Problem mit der Technologie und der Wissenschaft.
Peter Thiel00:37:49
Denn wir leben in einem Zeitalter, in dem die Kultur sehr gegen die Wissenschaft und sehr gegen die Technologie ist. Und wenn wir da nicht weitergehen, als die Hollywood-Filme betrachten, und die Zukunftsvisionen sind alle von einer Zukunft, in der die Wissenschaft und die Technologie die Welt zerstören wird. Und die Zukunft ist entweder „Avatar“, „Terminator“, „Elysium“. Ich habe einen „Gravity“-Film vor Kurzem gesehen. Also man würde nie in den Weltall gehen möchten. Es wäre viel besser, als auf irgendeiner schmuddeligen Insel zurück zu sein. Und ich glaube, ich blamiere hier nicht Hollywood, ich meine, es reflektiert nur wieder mal die allgemeine Gesellschaft, die sehr gegen den technologischen und wissenschaftlichen Fortschritt ist.
Peter Thiel00:38:42
Und so, ich glaube, dass es irgendwas sehr Countercultural an Silicon Valley gibt oder sogar an der Wissenschaft heutzutage ist, dass es irgendwie sehr gegen die Kultur der meisten ist, die sehr gemütlich und sehr pessimistisch über die Zukunft ist.
Speaker 100:39:03
Und du hast auch schon selber in Filme investiert und produziert? „Thank You for Smoking“.
Peter Thiel00:39:08
Ja, es war so ein kleiner Film. Wir haben das Geld zurückbekommen. Es war ein kleines Wunder, dass wir das Geld zurückbekommen. Es ist sehr viel Konkurrenz in Hollywood.
Speaker 100:39:16⚠ 0.39
Aber ein guter Film. Da vorne war eine Frage.
Interviewer 500:39:23
Matthias Banners vom Bundesverband der Dienstleistungswirtschaft. Wenn Unternehmen etwas komplett neu und anders machen, gibt es häufig Konflikte mit Politik und Gesellschaft. Wie lässt sich dann besser bei politischen Entscheidern für Innovation werben und argumentieren?
Peter Thiel00:39:42
Ich glaube, es kommt immer... Es ist immer eine sehr breite Frage und es kommt, ich glaube, in der Praxis immer auf die Details sehr wichtig darauf an. Es gibt oft so eine Grey Zone, wo die Regelungen nicht ganz klar sind, ob es legal ist, ob es nicht legal ist. Ich bin der Meinung, dass es in der Praxis oft darauf ankommt, ob die Innovation oder das neue Unternehmen... macht es die Gesellschaft besser oder schlechter? Und das ist eine Frage, mit der man sich immer als Gründer doch schon ein bisschen engagieren muss. Also als wir PayPal gründeten in '99, 2000, gab es sehr viele Fragen: Sollte dies als eine Bank reguliert werden? Das wäre fürchterlich, es gibt hier ganz viele Bankenregulationen und...
Peter Thiel00:40:43
Und nach einer Weile haben wir die Politiker und die Beamten überzeugt: Nein, es musste nicht ganz so streng reguliert werden. Und es klappte. Und es klappte, ich glaube, zum Teil. Es klang ja, es war ein freundlicher Name, PayPal, es war ein Freund, der der Bezahlung helfen würde. Und dann, es gab sehr viele kleine Unternehmen, die davon... die auf eBay und anderswo... für die PayPal sehr gut war und sich dann sehr streng beklagten, als die Politiker es zu regulieren versuchten. Das andere Extrem war vielleicht so eine firma wie Napster in den späten 90er-Jahren, die Musikfirma. Und ich glaube, es war schon ein bisschen schlecht mit dem Namen angefangen, denn wenn man so in Englisch denkt: „You nap some music, you nap a kid, you know, kidnapping“, so, es klang schon irgendwie als irgendwas, was ganz Böses.
Peter Thiel00:41:43
Und so, ich weiß nicht, ich glaube, eines der Themen... Und dann ging es: Ein Jahr waren die Gründer von Napster auf der Vorseite von „Time“ Magazine, das Jahr danach wurde die ganze Firma unterdrückt von Regulierungen und war out of business. Also ich glaube schon, dass diese Frage, ist es gut für die Gesellschaft, ist es schlecht für die Gesellschaft, müssen diese Firmen immer engagieren und müssen immer versuchen, eine gute Antwort dafür zu haben. Und ich bin der Meinung, dass die Frage... eines der Sachen, die ich denke, doch schon ein bisschen wichtig ist, ist der Name der Firma selbst. Sehr wichtig ist: Wenn man einen guten Namen für eine Firma hat, bekommt die Firma so einen guten Namen.
Speaker 100:42:33⚠ 0.42
Da vorne war eine Frage.
Interviewer 600:42:39
Hans Constin von der Constin GmbH. Welche Rolle spielen aus Ihrer Sicht Patente und andere Schutzrechte für den Unternehmenserfolg?
Peter Thiel00:42:51
In sehr vielen Bereichen sind Patente natürlich sehr wichtig. Es ist ein Monopol, das die Regierung gibt, um die Erfindung zu unterstützen. Ich glaube, in der Biotechnologie und Medizin in verschiedenen Gebieten ist es schon sehr wichtig. Es ist wahrscheinlich nicht ganz so wichtig im IT-Bereich, denn ich glaube, sehr viele der innovativen Firmen können Monopole erreichen ohne Patente. Und dann gibt es natürlich sehr viele Fragen, wie gut die Patentgesetze gehen und wie gut die Regulierungen da sind. Aber ich bin der Meinung, dass wenn man von schlechten und guten Monopolen spricht, schlechte Monopole sind die, die irgendwie, die sind einfach eine Steuer, die man zahlen muss, vielleicht die Post.
Peter Thiel00:43:43
Die Post ist ein Beispiel für ein schlechtes Monopol. Und dagegen sind die guten Monopole, sind die, die irgendwas ganz Neues gemacht haben und daher die Welt irgendwie verbessert haben. Wenn man eine neue Droge erfindet als Biotechnologiefirma, macht man ja was Gutes für die Welt und dann wird das unterstützt von einer neuen Medizin entwickelt, wird dann unterstützt durch Patente und so weiter. Das würde überhaupt nicht funktionieren ohne Patente.
Speaker 100:44:15
Apropos Drogen, stimmt es, dass du im E-Commerce für Haschisch investiert hast oder ist das nicht korrekt?
Peter Thiel00:44:23
Das ist alles ein bisschen übertrieben. Wir haben eine ganz kleine Investition in eine Firma, die selbst in Marihuana-Investitionen macht in Kanada.
Speaker 100:44:36
Ist das nicht dann zukünftig ein sehr kompetitiver Markt? Wo ist das Monopol? Oder soll eine Marke kreiert werden?
Peter Thiel00:44:44
Also es ist immer, wenn man die Fragen zu allgemein stellt, gibt es nie die Monopole. Aber dann ist immer eine sehr spezifische Frage, kann man da eine Plattform bauen in einem Weg oder in einem anderen. Und es sind immer so die spezifischen Fragen. Aber wir wurden davon überzeugt, dass die Leute in dieser Firma selbst nicht sehr viel Marihuana rauchten. Und das war schon eine wichtige Differenzierung. Ja, okay.
Speaker 100:45:10
Da hinten war eine Frage.
Interviewer 100:45:15
Sören Weinsteiger aus dem Cyber-Security-Bereich sozusagen. Ich habe eine Frage, und zwar aufgrund der Tatsache, dass die NSA-Skandale hochkommen: Wie glaubst du, wird das Thema an Bedeutung gewinnen für Innovationen? Kann es passieren, dass das Thema vielleicht uns irgendwann hemmt und die Gesellschaft sagt, wir möchten nicht mehr, aufgrund der Tatsache, dass dort Dinge geschehen, die, glaube ich persönlich, noch nicht schwierig genug sind, also die noch nicht hoch genug sind? Wir wissen, dass es da Dinge gibt, die noch nicht in den Medien sind, auch in der Privatwirtschaft. Was für Bedeutung wird das gewinnen? Wird es schlimmer?
Peter Thiel00:45:49
Besser? Ich glaube, wahrscheinlich wird die NSA-Geschichte noch viele Jahre weiter so gehen. Es gibt sehr viele verschiedene Sachen, von denen man sagen könnte. Ich bin allerdings der Meinung, dass die NSA, auf Englisch ausgedrückt, sind eher die Keystone Cops als Big Brother. Keystone Cops sind so eine Polizei, die überhaupt nichts richtig machen kann. Es ist vielleicht nicht wirklich ein Beispiel für einen totalen Terrorstaat, sondern für eine verrückte Bürokratie, die einfach alles einsammelt und all die Daten einsammelt, aber überhaupt nichts weiß, was sie damit machen sollen und so weiter. Ich meine, die Tatsache, wir wissen noch nicht mal, ob das genau stimmt, aber wenn der Obama auf Merkels Handy spioniert hatte, das war was wirklich Neues für Obama.
Peter Thiel00:46:48
Ganz bestimmt wusste er das selbst nicht. Und so... Und ich glaube, ich bin schon dagegen, aber ich glaube, wir sollten mal die NSA-Geschichte richtig beschreiben als nicht ein so verrückter, totaler Terrorstaat, der alle ausspioniert und alles unterdrückt, sondern eine ganz wuchernde, krebsartige Bürokratie, die einfach alles einsammelt, aber überhaupt nicht weiß, was sie damit machen sollen. Und in der Praxis sehr wenig damit macht. Denn ich meine, was sehr interessant in all den NSA-, Snowden-Sachen und so weiter ist, ist natürlich: Es gab überhaupt keinen James Bond, es gab keine explodierenden Zigarren, es gab überhaupt nichts Interessantes, das damit gemacht worden ist. Die Daten wurden einfach eingesammelt, aber damit wurde so gut wie nichts gemacht.
Interviewer 300:47:43
Da hinten war noch eine Frage. Ja, schönen guten Tag. Oliver Proth mein Name. Ich hätte gern ein paar Worte gehört zu Social Business, wo es hauptsächlich ja eher darum geht, Sozialleistung zu erwirken und weniger jetzt großartige Kapitalleistung für einen eigenen Gebrauch, sondern eher sozial zu werden. Sehen Sie da irgendwo auch eine Zukunft drin? Kann das auch groß werden, oder ist das eher ein Business, was auf lokaler, regionaler Ebene läuft?
Peter Thiel00:48:15
Ja, also Social Entrepreneurship, also diese sozialen Businessformen. Ich finde das immer ein bisschen problematisch, und es fängt schon mal mit dem Wort „sozial“ an. Denn das Wort ist ja zweideutig. Es kann auf der einen Seite bedeuten – sozial kann bedeuten: gut für die Gesellschaft. Oder auf der anderen Seite kann das Wort „sozial“ bedeuten, dass es von der Gesellschaft als gut angesehen wird. Und diese zwei Bedeutungen werden immer so ausgetauscht miteinander in der Praxis. Und wenn es das Zweite bedeutet, dass es irgendwas ist, das von der Gesellschaft als gut angesehen wird, bedeutet es schon immer, dass es irgendwie eine Kopie von einer Kopie von einer Kopie ist, dass es irgendwas ist, das sich von allen anderen sozialen Businesses in diesem Thema nicht unterscheidet.
Peter Thiel00:49:10
Und man will ja nicht das 20. Micro-Lending-Business bauen und will nicht das 50. in einem Thema, nicht das 4. Online-Petfood-Business, nicht die 10. Thin-Film-Solar-Firma bauen. Und sehr viele von diesen sozialen Businesses gehen davon aus, dass sie irgendwie populär sind und das machen, was die Gesellschaft als gut ansieht. Und dann sind sie schon immer gleich, äh, übersättigt von Stichworten und so weiter. Und wir sind zurück zu der ganzen Problematik davon. Nun, ich bin allerdings nicht der Meinung, dass es einfach mit dem Geld zu tun hat, wenn man so einfach versucht, so viel Geld wie möglich zu machen. Ich glaube, die wirklich guten Firmen haben eine einzigartige Mission. Und so, ich unterscheide immer Social Business, diese sozialen Firmen, von missionsorientierten Firmen.
Peter Thiel00:50:10
Und so, wo man eine Geschichte hat, dass: „Wir arbeiten an einem Problem, an dem niemand anderes in der Welt arbeitet. Und wenn wir dieses Problem nicht lösen, wird das Problem überhaupt nicht gelöst.“ Das ist, glaube ich, immer eine sehr gute Einstellung. Einer meiner Mitgründer von PayPal, Elon Musk, hat die SpaceX-Firma gebaut. Und Elon würde SpaceX beschreiben: „Wir sind auf einer Mission, nach Mars zu gehen. Das ist das, was unsere Firma machen wird.“ Ich weiß überhaupt nicht, ob wir die größten Investoren in SpaceX sind. Vielleicht machen wir mal Geld, vielleicht nicht, denn es wird alles weiter investiert werden, bis sie nach Mars gehen. Das ist ganz bestimmt so. Ich kenne Elon schon gut genug, dass ich weiß, dass es nicht nur so eine Rederei ist, das ist wirklich der Plan.
Peter Thiel00:50:56
Und Elon würde das natürlich auch – in einer Hinsicht würde es ein Social Business sein, denn dann könnte man auf einem anderen Planeten überleben. Und es ist eine ganz wichtige Sache für die Gesellschaft, dass wir nach Mars gehen. Aber es würde meistens nicht als ein Social Business bezeichnet werden, denn es fehlt am zweiten Punkt. Denn es wird nicht von der Gesellschaft als gut angesehen. Aber ich glaube schon, dass es gut für die Gesellschaft ist. Man muss diese Sachen immer sehr genau unterscheiden.
Speaker 100:51:25⚠ 0.26
Ehsan Dariani hat eine Frage, wenn ich das richtig sehe.
Interviewer 200:51:36
Danke. Ja, hallo. Ich habe dein Buch nicht gelesen, aber Zusammenfassung dazu und die Zusammenfassung hast du in deinem Vortrag wiedergegeben. Das mache ich auch absichtlich teilweise so, weil ich denke, dass man sonst zu sehr eingeschränkt wird in seiner Herangehensweise an die Welt. Ich habe zwei Fragen, die eigentlich zusammenhängen. Welche Jobs meinst du, wird es 2040, 50 noch geben, die von Menschen federführend ausgeführt werden? Und in dem Zusammenhang habe ich auch die Frage, ob du der Meinung bist... Oder ob du investiert bist in Firmen, die sich mit dem Thema Brain Enhancement beschäftigen?
Peter Thiel00:52:13
Wollen wir mal sehen. Also ich bin der Meinung, dass diese Angst, dass sehr viele Jobs von Maschinen vertrieben werden oder dass die Computer die Menschen von den Jobs vertreiben werden, sehr, sehr übertrieben ist. Ich meine, es gibt schon verschiedene Gebiete, wo sich die Wirtschaft sehr verändern wird. Aber im Allgemeinen ist ja die Geschichte der Entwicklung der Wissenschaft, der Technologie über die letzten 250 Jahre eine Geschichte, in der die Maschinen uns befreien, andere Sachen zu machen. Und es war schon ein Problem im 19. Jahrhundert, wo die Luddites in Großbritannien dachten, man sollte einfach die Textilmaschinen alle zerstören, denn die Maschinen zerstörten ihre Jobs. Aber mit der Zeit hat es einfach die Leute befreit, bessere Arbeit anderswo zu finden und die ganze Wirtschaft aufzubauen.
Peter Thiel00:53:12
Ich glaube, diese Angst vor den Maschinen ist sehr, sehr übertrieben. Nun, die Frage von Artificial Intelligence. Könnte man Computer bauen, die klüger als die Menschen sind oder irgendwie so was? Ich bin auch – das finde ich auch, wenn so was überhaupt möglich ist, ist es sehr weit in der Zukunft, bin ich der Meinung. Aber ich glaube auch, es als ökonomisches Problem zu beschreiben, ist ganz falsch. Wenn Außerirdische aus dem Weltall, wenn sie hier in Berlin morgen landen würden, würde man ja nicht fragen, was bedeutet dies für die Wirtschaft, für meinen Job. Die Frage würde sein, sind sie freundlich, sind sie nicht freundlich. Es wäre eine politische Frage, nicht eine wirtschaftliche Frage.
Peter Thiel00:54:00
Und ich glaube, wenn es so etwas wie AI wirklich geben könnte, dann wäre es zuerst eine politische Frage und die ökonomische Frage wäre viel weniger wichtig. Viel unwichtiger.
Interviewer 400:54:18
Gut. Vom Business Punk, jetzt ist schon mehrmals das Stichwort PayPal gefallen. Mich würde mal interessieren, wie wichtig sind Netzwerke wie jetzt die PayPal-Mafia eigentlich im Silicon Valley, zu der Sie eigentlich gehören, und wie sehr unterscheidet die sich vielleicht von so etwas wie der Facebook-Mafia, von der jetzt viel weniger die Rede ist? Gibt es Austausch zwischen den Netzwerken oder sind das wirklich so Gründungsmythen?
Peter Thiel00:54:41
Naja, es ist immer... Ich bin der Meinung, dieses Stichwort Netzwerk ist immer so ein bisschen problematisch. Ich meine, man kann sagen, zum Beispiel im Silicon Valley überhaupt gibt es ganz starke Netzwerkeffekte, und das ist schon was sehr Gutes daran. Die Ideen kommen schnell herum, man lernt viel von den Leuten, aber dann diese Netzwerke haben auch das Problematische daran, dass es zu Blasen leiten kann, die Ideen werden irgendwie sehr gleichgeschaltet nach einer Weile und so. Ich bin der Meinung, dass vielleicht hat Silicon Valley noch immer einen Vorteil, Berlin hat einen Vorteil in Deutschland, aber ich glaube, man könnte erfolgreiche Firmen fast überall aufbauen. Wenn man außerhalb von den großen Zentren ist, sind die Netzwerkeffekte
Peter Thiel00:55:43
viel geringer, aber dann vielleicht kann man auch mehr originelle Ideen haben. Es geht so in beide Richtungen. PayPal hatte eine, ich würde sagen, die PayPal-Mafia. Es gab eine ganze Reihe von erfolgreichen Firmen, die von ehemaligen Arbeitern bei PayPal gegründet wurden in den letzten zehn, zwölf Jahren. Ich würde die PayPal-Mafia nicht so sehr als Netzwerkeffekt beschreiben. Es gab sehr starke Freundschaften, die in PayPal gemacht wurden und die dann zu diesen Firmen geführt haben. Facebook ist viel mehr erfolgreich, als PayPal jemals war. Aber ich glaube, dass PayPal sehr gut war, denn man lernte, dass es schwer, aber möglich war, eine sehr erfolgreiche Start-up zu gründen. Das war das Hauptthema, das man vielleicht bei PayPal lernte.
Peter Thiel00:56:48
Wenn man in einer Start-up ist, die scheitert, dann lernt man hauptsächlich, dass es unmöglich ist, erfolgreich zu sein. Das ist etwas sehr Schlechtes zu lernen. Und wenn man in einer Start-up ist, wo alles phänomenal funktioniert, wie Facebook oder Google oder Microsoft, dann lernt man, dass es alles sehr leicht ist. Und ich bin der Meinung, dass vielleicht es schon besser ist, wenn man irgendwo ist, wo alles einzigartig funktioniert. Aber vom Lernen her gesehen ist es wahrscheinlich schon besser zu lernen, dass es schwer ist. Und wenn man lernt, dass es unmöglich oder leicht ist, sind das beides sehr schlechte Lehren. Und ich glaube, es gibt immer so einen Mittelpunkt zwischen extremem Optimismus und extremem Pessimismus.
Peter Thiel00:57:41
Wenn man zu optimistisch ist, meint man, es wird alles schon funktionieren, man muss nicht viel machen, die Zukunft kommt von sich selbst. Wenn man zu pessimistisch ist, dann meint man, es wird sowieso alles schiefgehen, da kann man nichts machen. Und so extremer Optimismus und extremer Pessimismus, beide geben einem die Einstellung, dass man nichts machen muss, nichts machen kann, daher, dass man einfach nichts macht. Und ich glaube, so eine mittlere Einstellung, wo es ein bisschen optimistisch, ein bisschen pessimistisch, es kann schon funktionieren, es kann schon schiefgehen, ist so mehr die richtige. Und ich glaube, das war in PayPal sehr eingeprägt. Eine Frage noch?
Speaker 100:58:28
Die Stunde ist schon jetzt ganz flott rumgegangen. Ich will zum Schluss noch fragen, bleibst du noch ein bisschen in Deutschland oder wo geht es noch hin? Was für Pläne hast du jetzt noch in den nächsten Wochen und Tagen?
Peter Thiel00:58:39
Es ist immer viel zu viel auf dem Termin, aber ich komme ja hier mehrmals nach Deutschland, so jede drei, vier Monate mal.
Speaker 100:58:45
Ah ja, dann hoffe ich, besuchst du uns wieder. Herzlichen Dank für den tollen Vortrag, Peter Thiel.